kultur in den zeiten von corona | no.10 kultursalon informiert

Für diese Rubrik freuen wir uns auch über Mitteilungen und Beiträge von Freundinnen und Freunden des No10 kultursalons.


Agata Paulina Clasen

1. Dezember um 12:46

 

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Es ist ein schleichender Prozess.

Eines der Hauptprobleme in Bezug auf uns Kulturschaffende besteht in Zeiten der Corona-Pandemie darin, dass wir Akteure einem schleichenden Prozess unterliegen, der in seiner Summe und im Cocktail, der uns serviert wird, sein Gift langsam aber sicher entfaltet. Dabei möchte ich sichtbar machen, aus welchen Zutaten dieser Mix besteht und warum er speziell bei Kulturschaffenden so wirken kann.

 

Denn an sich können wir sehr gut auf schnellen Wandel durch unsere hohe Kreativität und Flexibilität, durch einen hohen Grad an Selbstreflexion und Eigenverantwortung reagieren. Wir sind also, eigentlich, total krisensicher, deutlich länger, als Menschen, die zum Beispiel aus dem angestellten Verhältnis kommen.

 

Was jedoch normalerweise den Ausgleich dafür schafft, dass wir uns in wenig fest strukturierten, schwach abgesicherten Kontexten bewegen, in denen wir für alles selber haften und Verantwortung übernehmen, um uns immer wieder neu zu erfinden, ist die Freiheit. Wir nehmen also einen strukturschwachen, undefinierten Raum in Kauf dafür, dass wir Freiheit genießen. Dabei genießen wir sie nicht nur, sie ist das Hauptelement, um kreativ arbeiten zu können.

Durch das wiederholte Ausrufen von Verboten speziell unsere Branche betreffend, gerät diese Rechnung immer weiter aus dem Gleichgewicht. Das ist besonders problematisch, denn wir befinden uns weiterhin in einem „undefinierten Raum. Da ist niemand, der uns von berufswegen her kontinuierliche Struktur bietet: kein Chef, kein Vorstand, kein Team von Kollegen, kein fester Arbeitsplatz, kein festes Gehalt, kein Weihnachtsgeld, kein Bonus, während uns aber auf der anderen Seite die Freiheit zu gestalten immer und immer wieder entzogen wird. Das Minus, das wir sonst in Kauf nehmen und was auch die Beweglichkeit ermöglicht, bekommt auf der anderen Seite keinen Ausgleich. Für eine zu lange Zeitspanne.

 

Das innere Sprudeln, die Lebensfreude wird zunehmend unterwandert. Das ist ein ernstes Problem, denn Depressionen in Kombination mit begründeten Ängsten und Isolation werden zu unseren täglichen Begleitern, machen uns krank. Selbst weiche Strukturen, die in Form von Netzwerken gewirkt haben, zerfasern, da die Orte der Begegnung geschlossen bleiben, da jeglicher Anlass zur Planung und Umsetzung sich in Sinnlosigkeit verflüchtigt. Das ist ein schleichender Prozess, aber er passiert. Das sehe ich bei vielen meiner Kollegen, wie es genau JETZT seine Wirkung entfaltet, das Gift, das bei uns greift, gerade weil wir per Definition Freiheit zum arbeiten brauchen, als Gegengewicht zu der Strukturlosigkeit. Das Bild des Vogels im Käfig ist alt und abgedroschen, aber es passt einfach zu 100%. Wir werden unseres Elements beraubt.

 

Statt die Kreativen zu Rate zu ziehen, zu fragen: „Was würdet ihr machen, was schlagt ihr vor, fährt die Politik ihre gepanzerten Strategien, die vom Wesen her auf Pragmatismus und Erhalt des Status Quo gebaut sind, das Element der Luft, die Freiheit als solches gar nicht kennen oder sehen können, im schlimmsten Fall noch durch harte Lobbyarbeit der sowieso strukturstarken kommerziellen Branchen gepusht uns die letzte Luft zum Atmen nehmend. Unsere Kompetenzen werden nicht eingeholt, die drögen Politiker bleiben ihrem Verwalterstatus treu und lassen das Beseelte des eigenen Landes langsam aber sicher in eine kollektive Depression abrutschen. Schleichend, aber konsequent.

Besonders resiliente und von Natur aus bodenständige Kollegen leisten herausragende politische auf Kosten ihrer eigenen künstlerischen Arbeit, rufen dazu auf, sich in Verbänden zu formieren. Absolut richtig und wichtig, da diese Struktur das Einzige ist, was einen Ausgleich zur fehlenden Freiheit erzeugt. Dabei müssen wir uns jedoch an den Boden der Tatsachen ketten, was unsere Kreativität zum Preis hat. So oder so, das Kreative wird abgehängt, versackt entweder in Depression oder wird durch lautes Rufen nach Gerechtigkeit übertönt.

 

Es wird während der Corona-Pandemie genau das verstärkt und gnadenlos sichtbar gemacht, was in diesem Land sowieso seit seiner eigenen kulturellen Ausbombung im 2. Weltkrieg geschehen ist: das Herabsetzen von Kunst und Kultur auf eine Ebene mit Freizeitbespaßung im Sinne der Ablenkung, das Ersetzen von Kultur durch Konsum, einem ungesunden Subliment, das eher als Droge zur Lustbefriedigung auf uns wirkt, statt als gute Seelennahrung.

 

Es wurden mittlerweile von diversen Seiten geistreiche Abhandlungen darüber verfasst, welche eigentliche Rolle Kultur innerhalb einer Gesellschaft inne hat. Sie ist humanisierend, fördert die Innenschau, regt den Dialog und Offenheit an, fördert Interdisziplinäres, fördert Reife, erbaut, hält gesund. Ja, sie erhält die Gesundheit!

 

Mein Appell lautet: Kultur muss als Teil eines ganzheitlichen Gesundheitssystems wahrgenommen und eingestuft werden. Denn es gibt neben der rein physischen auch die psychische Gesundheit und die steht in, wie wissenschaftlich bewiesen ist, in DIREKTER Verbindung zur körperlichen Gesundheit.

 

Kunst basiert auf Freiheit. Wir sind kein Shop, den man auf- und zumachen kann. Wir sind keine Ware, die man zwischenzeitig aufhört zu konsumieren. Wir sind ein ESSENTIELLER Teil von menschlichem Dasein. Wir sind Ausdruck von Menschlichkeit. Wie kann man dem Menschen verbieten zu singen? Wir müssen unsere Prioritäten gesamtgesellschaftlich überdenken und prüfen. Wir müssen begreifen, dass Kultur kein Produkt ist, das wie ein Luxusgut daherkommt. Ich wiederhole: Wir sind kein Supermarkt, den man auf- und zumacht. #Alarmstuferot, nicht nur finanziell-wirtschaftlich. Wir sind als Gesellschaft gerade dabei, unsere kulturellen Ressourcen zu verbrennen, nämlich uns Kulturschaffende selbst.

 

Zeigt euch solidarisch mit uns, zeigt euch solidarisch mit dem Kern von Menschlichkeit. Würdigt das Heilige in Musik und Kunst, würdigt damit das Heilige und Schöne in Euch.

 

(Agata Paulina Clasen / Musikerin)

Photo: Marthe Marie Idili

 

 

https://www.facebook.com/photo/?fbid=3651298274893486&set=a.724383547584988

 


Neuer Bildband von Matthias Neumann

Titelbild: Rotterdam, 2019

 

Liebe Kunstfreunde,

Heute habe ich eine besondere Nachricht für Sie. Bis nächste Woche werden die ersten Exemplare meines neuen Bildbands "Urbanics" fertig sein. Darin werden 36 Bilder aus dieser Serie zu sehen sein. Der Clou daran ist, dass es ein Buch in der Form eines Leporellos mit einem Format von 24 x 32cm sein wird. Sie können durch diesen Bildband wie durch ein normales Buch blättern. Sie haben aber auch die Möglichkeit, 3, 4, 5 oder noch mehr Bilder nebeneinander zu legen. Es ist mir ein großes Anliegen, Inhalt und Form des Bildbands in Übereinstimmung zu bringen. Andreas Steffens hat einen Text dazu geschrieben, die Gestaltung wurde von Max Christian Graeff übernommen. Die Auflage wird lediglich 300 Exemplare betragen. Der Preis beträgt 32€. Zusätzlich biete ich Ihnen eine Sonderedition in einer 50er-Auflage zusammen mit einem nummerierten und signierten FineArt Print auf Barytpapier an: "Rotterdam" von 2019 in der Blattgröße 24 x 30cm. Dieses Buch ist nur bei mir erhältlich. Es gilt die Reihenfolge der Bestellung. Bei Postversand fällt das entsprechende Porto an.

Bildband 32 € / Bildband mit signiertem FineArt Print 225 € / Bildband mit gerahmtem FineArt Print 30 x 40cm 275 €

Ich würde mich sehr über Ihr Interesse freuen.

Herzliche Grüße

Ihr Matthias Neumann

www.matthias-neumann.com


Einladung - Büro für künstlerische Praxis

Grundlagen für die freie Kunst- und Kulturszene im Pina Bausch Zentrum legen. » fnwk.de/underconstruction


Neuerscheinung 

Der Wuppertaler Autor Wolf Christian von Wedel Parlow hat ein neues Buch herausgebracht.

Der Roman Cola in Kadugli ist im Mitteldeutschen Verlag erschienen. Hier die » Verlagsinformation.



75 Jahre Hiroshima und Nagasaki mahnen: Beitritt zum UN-Atomwaffenverbot jetzt!

Erinnern. Mahnen. Handeln. » icanw.de


The Flying Train

Das MOMA New York zeigt im Verlauf seines Corona-Programmms einen Film über die Schwebebahn von 1902: The Flying Train

Take a breathtaking two-minute ride on a suspension railway in Wuppertal, Germany, in 1902.

» anschauen!


No Bloom's Day

In diesem Jahr konnten wir leider den 16. Juni, Bloom's Day, nicht begehen: d.h. den Spuren von Leopold Blooms Odyssee  in Dublins Straßen mit vielen anderen Joyce-Fans folgen. Aber von 2019 haben wir eine kleine Bildergalerie, die einige der vielen im Stil der Anfangsjahre des letzten Jahrhunderts verkleideten Menschen zeigt. Eindrucksvoll fanden wir den jungen Mann mit Hündchen im Joyce Centre, der über seinen Sohn im Buggy sagte:"He loves books, he eats them...".

Am Abend konnten wir eine packende Theateraufführung erleben:

Der Jude Bloom erlebt das  20. Jahrhundert bis nach Auschwitz.


Hommage an CHRISTO   (13. Juni 1935–31. Mai 2020)


Ein Tag im Mai

Unser Projekt zum 8. Mai 1945 ist abgeschlossen. Es war eine bewegende Erfahrung mit den beteiligten Menschen in der ganz persönlichen Darstellung ihrer Schicksale. Wir haben eine solche Videoarbeit mit Internetauftritt zum ersten Mal gemacht. Ohne die professionelle Unterstützung durch unseren Freund Till von Reumont wäre das gar nicht möglich gewesen.

Offenbar angeregt durch die ersten Beiträge sind noch weitere bei uns eingegangen. So ist ein vielfarbiges Mosaik von Erfahrungsberichten entstanden, welche die Zeit des Kriegsendes aus den unterschiedlichsten Perspektiven beleuchten.

Neu hinzugekommen sind u.a. die wieder belebten Berichte der Wuppertaler Familie Sonneborn und unseres Nachbarn Horst Blase. Wir danken allen Mitwirkenden noch einmal ganz herzlich! Wir freuen uns, wenn Ihr unsere Seite (ggf. nochmals) besucht und vielleicht auch eine Spur im Gästebuch hinterlasst.

Dies ist der Titel unseres neuen Projekts. Wir greifen unser Theaterprojekt "Ein Tag im Mai" auf, das wir 1995 zum 50. Jahrestag des Kriegsendes mit dem Pfalzgräflichen Ensemble am Bergischen Kolleg entwickelt hatten. Heute, im 75. Jahr nach Kriegsende, stellen wir unser Folgeprojekt vor:

 

Wir haben Berichte von Zeitzeugen gesammelt und dokumentiert. Dazu haben wir im Wuppertaler Freundeskreis und darüber hinaus, auch im Ausland, recherchiert. Unser guter Freund Till von Reumont hat uns bei der technischen Realisierung in Audio- und Videoform sowie der Webseite professionell unterstützt. Till, wir danken dir sehr für dein Engagement und deine Begeisterung für unser gemeinsames Projekt! Wir hoffen, dass darüber hinaus im Herbst oder Winter eine Veranstaltung mit den Beteiligten im No10 kultursalon möglich sein wird.

 

» eintagimmai.de